WORT AM DIENSTAG
Professorin Maren Urner, Köln, äußert sich in einem Zeitungsartikel (SPIEGEL-online 16.07.2020) zur Frage des Glücks im Leben. Dabei weist sie auch auf eine amerikanische Langzeitstudie hin, die es seit 1938 (!) gibt.
Selig sein ist himmlisches Glück
Wie werden Menschen glücklich? Diese Frage gehört zum Menschsein. Vor allem in der Coronazeit wurde und wird die Frage häufiger gestellt – vielleicht nicht immer laut, dafür aber eindringlich: Was macht mich glücklich? Was brauche ich zum Glücklich-sein?
Die Professorin für Medienpsychologie an einer Hochschule in Köln, Maren Urner, hat dazu einen Aufsatz geschrieben. Kritisch und skeptisch bewertet sie alles zu den Themen Geld, Aussehen und Berühmt-sein und schlägt vor, was wir womöglich aus der Coronazeit lernen können. Drei Gedanken trägt sie vor:
· Vielleicht sollten wir mehr Video-Konferenzen haben statt Flugreisen, um Kolleginnen und Kollegen rund um die Welt zu treffen.
· Vielleicht sollten wir in unserer Ernährung das Regionale bevorzugen und uns bemühen, so viel wie möglich selber herzustellen.
· Vor allem sollten wir mehr Nähe zu anderen Menschen pflegen; derzeit natürlich immer nur im Rahmen der geltenden Coronabestimmungen.
Zum Schluss ihrer Ausführungen verweist die Professorin auf eine Studie über „Das Glück im Leben“. Seit 1938 läuft diese Studie an der Harvard Universität/USA. Die Studie ließe sich, schreibt sie, in einem Satz zusammenfassen; und der laute: Nicht Ruhm, nicht Geld, nicht Intelligenz und nicht unsere Gene sind der wichtigste Anlass zum Glück, sondern „gute menschliche Beziehungen“.
Das ist ein wertvoller Anstoß, an die Seligpreisungen Jesu im Neuen Testament zu erinnern (Matthäus 5,1-12). „Selig sein“ ist ja so etwas wie glücklich sein, nur ein bisschen mehr. Selig sein ist himmlisches Glück – ein Glück, das uns nicht genommen werden kann. Das erfährt man oft in Beziehungen, wie Jesus sagt: Indem wir barmherzig sind mit uns und anderen; oder sanftmütig – was nicht verwechselt werden darf mit Schwachheit; indem wir Frieden stiften, auch wenn wir dafür vielleicht ein Opfer bringen müssen – und nach Gerechtigkeit streben gerade für die, die vielleicht schon verstummt sind in ihrem Unglück. Auch die Beziehung zu Gott nimmt Jesus in den Blick und denkt sie wie eine Beziehung zu Menschen: ein reines Herz hat Augen für Gottes Willen und kümmert sich im Leben nicht nur um sich selbst.
Wenn es stimmt, dass unser Glück im Leben sehr viel mit menschlichen Beziehungen zu tun hat, dann sind die Seligpreisungen Jesu großartige Einladung zum Gestalten unseres Glücks; eines Glücks, das uns nicht mehr genommen wird. Und wenn wir selber Leid tragen, verspricht Jesus, dann werden wir getröstet werden.
Der Himmel sorgt für die, die anderen zum Glück verhelfen.
Die Seligpreisungen (Matthäus 5, 1-12)
1 Als Jesus aber das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. 4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. 10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. 12 Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
Von Johannes Rieper, Pfarrer i. R. in Varel